Geithain, Nazis und der „Tag der Identität“

Hintergrundinformationen – auch als pdf-Datei – zum Veranstalter, Rednern, Bands und anderen Beiträgen beim neonazistischen „Tag der Identität“:

13. August – „Tag der Identität“

Für den 13. August planen Neonazis ab 12:00 Uhr eine Veranstaltung im Bürgerhaus Geithain. Angemeldet ist sie unter dem Motto „Tag der Identität“ und trägt weiterhin den Untertitel „Arbeit statt Abwanderung – Heimat ist mehr als nur ein Standort“. Als Veranstalter tritt der „NPD Kreisverband Landkreis Leipzig in Zusammenarbeit mit dem neonazistischen „Freien Netz Borna-Geithain““ auf, Anmelder ist der NPD-Stadtrat Manuel Tripp.

Neben diversen Redebeiträgen von Neonazis aus dem Raum Leipzig sowie der Lausitz, soll es Infostände sowie ein Konzert geben, das mit einem Liedermacher sowie mehreren Neonazi-Bands besetzt ist.

Die Veranstalter

Der NPD Kreisverband Landkreis Leipzig wird durch den Neonazi Marcus Müller nach auszen vertreten. Müller ist seit den neunziger Jahren in der neonazistischen Szene – vor allem im Gebiet des Muldentals – aktiv, war Kreisvorsitzender der NPD-Muldental und ist momentan Mitarbeiter der sächsischen NPD-Landtagsfraktion. Seitens des NPD KV Landkreis Leipzig ist der „Tag der Identität“ die erste offiziell beworbene Veranstaltung seit Monaten, vielmehr war in letzter im öffentlichen Raum der NPD-Nachwuchs der „JN Muldental“ durch diverse (Propaganda-)Aktionen sowie Veranstaltungen in Erscheinung getreten.

Seit April 2007 besteht die neonazistische Online-Plattform des „Freien Netz“, die unter dem Titel „Mitteldeutsches Infoportal der freien Kräfte“ firmierte. Initiiert durch Maik Scheffler (Delitzsch) sowie Thomas Gerlach (Altenburg), enthielt die Website zu Beginn Berichte von neonazistischen Aktivitäten in Altenburg, Burg, Delitzsch und Hof und diente zur Verbreitung neonazistischer und antisemitischer Propaganda sowie zur Mobilisierung für regionale und bundesweite Nazi-Aufmärsche. Ein Jahr später gründete sich das „Freie Netz Borna-Geithain“.

Seitdem kommt es in Geithain regelmäszigen zu Veranstaltungen, Kundgebungen/Demonstrationen und Fuszballturnieren, vor allem aber auch zu Propagandaaktionen sowie zu Über- und Angriffen auf nicht-rechte Personen. So am 7. Mai 2010, als der Neonazi Albert R. einem 15-Jährigen so schwere Schädelverletzungen zufügte, dass dieser mehrere Tage in Lebensgefahr schwebte. Im Oktober 2010 erhielt R. daraufhin eine milde Bewährungsstrafe, gegen die die Staatsanwaltschaft Rechtsmittel einlegte. Während des Prozesses beleidigten anwesende Neonazis die Mutter des betroffenen Jugendlichen, anschlieszend feierten sie das damalige Urteil an einer Tankstelle und bagatellisierten den gewalttätigen Angriff zu einem „Faustschlag“. Ende März verhandelte das Landgericht Chemnitz die Berufung und verurteilte R. zu anderthalb Jahren Haft ohne Bewährung. Am Tag nach der Urteilsverkündung soll R. erneut zu geschlagen haben. Er und zwei weitere Neonazis sollen in der Nacht zum 2. April vier Personen vor einer Pizzeria in der Chemnitzer Strasze in Geithain überfallen haben. Dabei sollen sie die Betroffenen aus einem Auto heraus angegriffen, mit Pfefferspray besprüht sowie auf sie eingetreten und eingeschlagen haben. Durch einen Schlag mit einer Bierflasche erlitt ein Mann eine Platzwunde und musste ambulant im Krankenhaus behandelt werden.

Bei den drei Tatverdächtigen Neonazis kam es am 19. April zu einer Hausdurchsuchung, woraufhin ca. 20 Personen des „Freien Netz Geithain“ auf dem Marktplatz eine Kundgebung durchführten, die sich „gegen staatliche Kriminalisierung und Repression“ von Neonazis richtete. Auszerdem wurde während der Versammlung die Wiedereröffnung des Jugendclubs in Syhra gefordert, ein von der lokalen Neonaziszene frequentierter Jugendclub, der im vergangenen Jahr geschlossen wurde. Diese Thematik war eines der Schwerpunkte des „FN Geithain“ Ende 2010 und das Jahr 2011 über, was zu mehreren Kundgebungen führte, die vor Beginn von Stadtratsversammlung stattfanden.

Während der 825-Jahr-Feier Geithains erhielt die so genannte „Heimattreue Jugend Geithains“, hinter der das „Freie Netz Geithain“ steht, die Möglichkeit, durch einen Infostand auf dem Markt an dem Stadtfest teilzuhaben und sich öffentlichkeitswirksam zu präsentieren. Die Genehmigung dafür erhielten sie durch das Festkomitee, deren Vorsitzende die Bürgermeisterin Romy Bauer ist.

Als Anmelder fungierte hier, wie bei allen Kundgebungen und Demonstrationen, der NPD-Stadtrat Manuel Tripp.

Der 22-jährige Jura-Student (Universität Leipzig, 6.Semester) Manuel Tripp ist seit den Kommunalwahlen im Juni 2009 Stadtrat für die NPD in Geithain. Tripp ist Anmelder vom „Tag der Identität“ und wird zudem als Redner beworben. Seit der Gründung des „FN Borna-Geithain“ ist Tripp einer der wichtigsten Protagonist/innen der regionalen Naziszene. Er ist Anmelder von diversen Veranstaltungen, Kundgebungen und Demonstrationen. Zudem hält er Kontakte zu gewaltbereiten Neonazis und rechten Bands. Durch seine Kandidatur als Stadtrat in Geithain erhielte er Kontakte zur NPD, die er durch seine Wahl zum Stadtrat im Juni 2009 ausbauen und pflegen konnte. Tripp erhielt bei der Wahl 5,4% der Stimmen, was 415 Wähler/innen ausmacht.

Die Redner

Bisher sind als Redner neben Manuel Tripp und Patrick Fischer, auch Pierre Dornbrach, Michael Neumann und Maik Scheffler angekündigt.

Patrick Fischer wird im Aufruf als „Freier Aktivist aus Sachsen“ aufgeführt. Seit Anfang 2010 wohnt Fischer in Chemnitz, wo er in der dortigen „Widerstandsbewegung“ aktiv ist. In der Vergangenheit fungierte er öfters als Ordner (21.August 2008 in Leipzig-Reudnitz) sowie Redner bei Demonstrationen (August 2010 in Bad Nenndorf) und Veranstaltungen (angekündigt zum zweijährigen Bestehen des Nazizentrums in der Odermannstr., 13.November 2010). Während seiner Zeit in Leipzig hielt sich Fischer im Umfeld der „Freien Kräfte Leipzig“ sowie der neonazistischen Hooligan-Gruppierung „Scenario Lok“ auf. Zudem war er Teil der rechts-offenen Stadtteilgruppe „Viva La Zschocheria“. Mit dieser wollte er Anfang 2009 ein Jugendhaus in Groszzschocher erwerben, gar besetzen, woraus aufgrund eines fehlenden Finanzierungskonzeptes allerdings nichts wurde. Fischer schreckt auch vor Gewalt nicht zurück. So soll er bei einem Angriff im Oktober 2009 auf Fans der BSG Chemie im Anschluss an das Kreisklassespiel gegen den SSV Kulkwitz beteiligt gewesen, wobei ein Fan angefahren und schwer verletzt wurde.

Pierre Dornbrach, angekündigt als JN-Stützpunktleiter Lausitz, war bis Sommer 2010 Schulungsbeauftragter der „Jungen Nationaldemokraten“ (JN) Brandenburg. Im Herbst folgte jedoch die Ablösung, da sich Dornbrach eingestehen musste, beim Aufbau der JN-Strukturen nicht vorangekommen zu sein. Ansonsten trat der 1988 geborene Dornbrach, der als Anlagenmechaniker tätig sein soll, 2009 zu den Landtagswahlen in Brandenburg in Wahlkreis Barnim II an und erhielt ein Ergebnis von 2,7%. Neben Aktivitäten als Redner bei Demonstrationen betätigt sich Dornbrach auch als Verfasser von Texten, die auf der Homepage des JN-Bundesverbandes veröffentlicht werden. So verfasste er einen Text zur „Liberalen Selbstbeweihräucherung“, zu Dresden 1945, zur Weltwirtschaftskrise, zum aufgelösten JN-Pfingstlager, zum Zerfall der EU sowie über den „Weg von der Gesellschaft zur Gemeinschaft“.

Michael Neumann, beworben als „Freier Aktivist aus Mittelsachsen“, ist bisher namentlich nicht öffentlich in Erscheinung getreten.

Maik Scheffler, angekündigt als Vertreter der NPD/“FN Nordsachsen“, ist seit vielen Jahren in der neonazistischen Szene in Sachsen aktiv. Scheffler war langjähriger Anführer der „Kameradschaft Delitzsch“, er betreute das Internetprojekt „Nationaler Beobachter Delitzsch“ und ist Mitinitiator des Webportals „Freies Netz“, einer Plattform von neonazistischen „Freien Kräften“ aus Westsachsen, Ostthüringen und dem Osten Sachsen-Anhalts. Weiterhin ist Scheffler seit Dezember 2008 „Organisations- und Koordinationsleiter der NPD im Regierungsbezirk Leipzig“ (später für das gesamte Gebiet Sachsens) sowie seit Oktober 2009 Kreisvorsitzender der NPD Nordsachsen und Mitglied des Landesvorstandes der NPD. 2009 wurde er in den Delitzscher Stadtrat gewählt und im Juli 2011 ist er zum stellvertretenden Landesvorsitzenden der NPD aufgestiegen.

Der Liedermacher und die Bands

Neben Reden und Infoständen ist auch ein musikalisches Programm geplant, das durch diverse Rechtsrock-Bands sowie das Liedermacher-Duo Max & Tobias aus Jena ausgestaltet werden soll. Zu Jahresbeginn traten beide schon gemeinsam in Wurzen zur „Neujahrsfeier“ der „JN Muldental“ auf, zudem spielten sie im Juni 2009 zum „Achten Thüringentag der nationalen Jugend“ in Arnstadt zusammen. Max – eigentlich Maximilian Lemke – selbst spielte schon Ende Oktober 2010 bei der angeblichen Eröffnung des Eilenburger NPD-Schulungszentrums. Weiterhin trat er mehrere Male beim „Thüringentag der nationalen Jugend“ auf, so im Mai 2004 in Saalfeld, im Mai 2005 in Weimar und im Mai 2008 in Sondershausen. Zum „Neunten Thüringentag“ im Juni 2010 in Pöszneck fungierte Lemke als Redner.

Lemke war einer der drei Bewohner der neonazistischen „Hausgemeinschaft ‚Zu den Löwen‘ “ in Jena-Altlobeda. Neben ihm wohnten noch André Kapke – ehemaliger Aktivist des „Thüringer Heimatschutzes“ – sowie Ralf Wohlleben – Führungsfigur der neonazistischen Szene Thüringens sowie ehemaliger stellvertretender Landesvorsitzender und Pressesprecher der NPD Thüringen. Das neonazistische Wohn- und Schulungsprojekt pachtete Lemke im August 2002 per Mietkaufvertrag. Das Objekt avancierte zur Schalt- und Anlaufstelle von Neonazis aus Thüringen, so fanden Konzerte, Kameradschaftsabende sowie Schulungsveranstaltungen statt. Im August 2009 kam es zur Räumung des Hauses durch die Stadtverwaltung Jena, aufgrund baulicher Mängel und der daraus resultierenden Einsturzgefahr.

Laut neusten Angaben ist Lemke jedoch verhindert, sodass der Liedermacher Tobias allein auftritt. Von ihm sind bisher zwei Auftritte bekannt, beide mit Max zusammen.

„Priorität 18″ ist eine Nazi-Band aus der Region Dresden, deren bekanntestes Mitglied der Nazikader Maik Müller ist. Müller ist Führungsfigur des Spektrums der „Freien Kräfte“ in Dresden, zudem ist er Anmelder mehrerer Demonstrationen. Weiterhin betreut er die Nazihomepage „Netzwerk Mitte“ und den so genannten „nationalen Jugendstammtisch“ in der Oskar-Röder-Strasze. Zudem fungiert er als Sprecher des „Aktionsbündnisses gegen das Vergessen“ (AgdV), die ebenfalls durch einen Infostand an diesem Tag vertreten sind. Das „AgdV“ ruft jährlich zum 13. Februar zu einer geschichtsrevisionistischen Demonstration in Dresden auf.

Zugeordnete wird „Priorität 18″ dem Genre des Rechtsrock bzw. dem „RAC“ („Rock against communism“). Im Bandnamen verbirgt sich der Zahlencode „18″, der in der Neonazi-Szene für die jeweiligen Buchstaben im Alphabet steht, also A und H, was die Initialen von Adolf Hitler sind. Die Band bekennt sich durch diesen Code offen zum Nationalsozialismus, was ihren Texten auch zu entnehmen ist. Im Jahr 2008 brachten sie in Eigenproduktion die Demo-CD „Prioritaet 18 – Demo 2008″ heraus, auf der sieben Lieder – vier eigene Lieder und drei Cover-Versionen – zu finden sind.

In den Texten ist das menschenverachtende Weltbild, was vermittelt wird, offenkundig. So leugnen sie im Lied „Lügenpresse“ die Vorfälle am 19.August 2007 in Mügeln, als zum Altstadtfest 50 Deutsche acht Menschen angriffen, die in ihrem Weltbild „Nicht-Deutsche“ waren. Im Cover-Lied „Egal“ der Band „Oithanasie“ – der Bandname kommt der Verherrlichung der Euthanasie, der auf NS-Rasseidealen beruhenden Ermordung von Menschen, denen eine unheilbare Krankheit oder Behinderung zugeschrieben wurde, gleich – wird gegen Menschen mit Migrationsgeschichte gehetzt und von einer „Lüge von Jahrzehnten“ gesungen, die „ihr (…) nie erkannt (habt)“. Bezogen wird sich auf die so genannten Gastarbeiter_innen, die die BRD in den 1960er Jahren benötigte, um fehlende Arbeitsplätze in der Produktion zu besetzen. Mit dem Ausspruch „doch dies ist niemals ihr Land“, wird ein „wir“ gegen „sie“ konstruiert, was nach „Priorität 18″ und dem gleichnamigen Lied nur zum „Siegen oder untergehn“ führen kann. In weiteren Liedern wird sich mit germanischen Gottheiten sowie der Notwendigkeit von Gemeinschaft und Kameradschaft auseinandergesetzt.

„Burning Hate“, eine aus fünf Personen – einem Sänger, Bassisten und Schlagzeuger sowie zwei Gitarristen –, bestehende NS-Hardcore-Band aus dem Raum Oberfranken, setzt sich aus den beiden Skinhead-Bands „Aryan Rebels“ und „Division 28″ zusammen. Gegründet wurde die Band ca. 2004. Die Vorgängerband „Aryan Rebels“, aus der angeblich drei Mitglieder von „Burning Hate“ kommen, veröffentlichte zwei Alben – „White youth – White hate“ sowie „Spirit of 33“ –, die beide indiziert sind.

Seit ihrer Gründung gab es zwei Wechsel in der Besetzung. Im Mai 2007 gab die Band ein Interview, das im Musikbereich des neonazistischen Thiazi-Forums abgedruckt wurde. Hier werden die Kürzel der Bandmitglieder sowie ihre Funktion genannt, dennoch wird kurz erklärt, dass „ich und Andreas (…) aus Mitteldeutschland (kommen) und seid geraumer Zeit in Franken (leben)“. „Andreas“ wird als Bassist angegeben. Auf der Facebook-Seite sind die weiteren Namen zu lesen: der Sänger heiszt Steve, der Bassist Michael, der Drumer Jochen sowie die beiden Gitarristen Fabian und Roman. 2010 wurde das Album „Your time is running out“ veröffentlicht. Zu diesem Zeitpunkt war der personelle Wechsel bereits vollzogen, betroffen das Schlagzeug sowie der Bassist Andreas.

Das Label unter dem „Burning Hate“ ihre Alben veröffentlicht, ist die Plattenfirma „Opos-Records“. „Opos“ steht für „One People – One Struggle“, was „Ein Volk – Ein Kampf“ bedeutet. Der Inhaber der Plattenfirma ist Sebastian Raack, selbst Mitglied der südbrandenburgischen Rechtsrock Band „Outlaw“, betreibt im Einkaufszentrum „Mälzerei“ (Dresden-Pieschen) das Geschäft „Neverstraight Clothes“. Unter dieser Adresse ist auch „Opos-Records“ zu erreichen.

„Opos-Records“, eines der wichtigsten sächsischen Musiklabels, vertreibt bekannte NS-Hardcore/Hatecore-Bands, wie „Racial Purity“, „Brainwash“, „Hope for the weak“ oder „Moshpit“. Ebenso werden Shirts mit Aufschriften wie „Blitzkrieg“, „Anti-Antifa“ oder „Sommer – Sonne – Nationaler Sozialismus“ angeboten.

Seit 2005 hat „Burning Hate“ drei Veröffentlichungen getätigt, so 2005 ihr Demo-Album mit fünf Songs, 2008 die CD „This is the End of our Days“ mit elf Liedern und 2010 das aktuelle Album „Your time is running out“ mit ebenfalls elf Stücken. Durch alle Alben zieht sich der Wunsch nach einem Führer, hin zu einer „white nation“. Das Ziel einer „weiszen Nation“, der „besseren Welt“ („better world“), wird nur durch eine „white revolution“ erreichbar, bei der es „keine Gefangenen, keine weiszen Fahnen“ („no prisoners, no white flag“) gibt, sondern alle, die nicht in das Weltbild der Band passen, sollen vernichtet werden.

Die Rechtsrock-Band „Terroritorium“ aus dem Raum Hannover besteht seit November 2001. In dieser Zeit kam es zur Veröffentlichung von drei Alben: „Wir sagen nein“ mit elf Songs (2002), „Reformatio“ (2006) mit zwölf Stücken sowie „Es geht wieder los“ (2010) mit elf Liedern. Bis 2008 bestand die Band aus vier Mitgliedern, neben zwei Sängern („Matze und Stefan“), die gleichzeitig noch als Gitarristen fungierten, gab es noch ein Schlagzeuger („Robert“) und einen Bassisten („Torben“). Derzeit spielen sie nur noch zu dritt, ohne den Gitarrist/Sänger Stefan.

„Terroritorium“ bezieht sich in ihren Liedern positiv auf die Wehrmacht sowie das „Groszdeutsche Reich“, für das sie selbst sterben würden. In ihrem Lied „Ewige Schuld“ singt die Band mit deutlichem Bezug auf den Holocaust „die Wahrheit ist strafbar“ und leugnet damit den Holocaust.

„Exzess“, eine Rechtsrock-Band aus dem brandenburgischen Strausberg, trat erstmals Ende 2009 auf dem Sampler „Gefahr im Verzug“ des Neonazilabels „Panzerbär Records“ in Erscheinung. Die Band covert Lieder der Landser-Nachfolgeband „Lunikoff Verschwörung“. Durch eine Vielzahl von Konzerten in den vergangenen Jahren, u.a bei einem NPD-Fest in Biesenthal (Barnim), hat die Band bundesweit an Bedeutung gewonnen. Im Juli diesen Jahres trat die Band beim Pressefest der Deutschen Stimme in Görlitz auf, zudem spielten sie 2010 in Gera beim „Rock für Deutschland“. Während des Auftritts in Gera sagte der Sänger zwischen zwei Titeln mehrmals „Ruhm und Ehre“, was das Publikum mit „Ruhm und Ehre der Wehrmacht“ ergänzte, am Ende sogar mit „Ruhm und Ehre der Waffen-SS“. Zudem soll es vereinzelt zum Zeigen des Hiltergruszes gekommen sein.

Der Drummer der Band, der 1990 geborene Patrick Alf, trat 2008 bei den Brandenburger Kommunalwahlen für die DVU an.

Die Infostände

Zum „Tag der Identität“ sind verschiedene Infostände vertreten, um Neonazis über Aktivitäten auf dem Laufenden zu halten, aber auch um aktiv Vernetzungsarbeit zu leisten. Folgende Gruppierungen sollen einen Infostand haben: das „Freies Netz Mitteldeutschland“, das „Aktionsbündnis gegen das Vergessen“, die „JN Sachsen“, der „Ring Nationaler Frauen“, die „Ersthelfer“ sowie die Kampagne „Free Gender“.

Das „Freie Netz Mitteldeutschland“ ist eine seit April 2007 bestehende neonazistische Online-Plattform, deren Initiatoren Maik Scheffler (Delitzsch) und Thomas Gerlach (Altenburg) waren. Zu Beginn enthielt die Website Berichte von neonazistischen Aktivitäten in Altenburg, Burg, Delitzsch und Hof und diente zur Verbreitung neonazistischer und antisemitischer Propaganda sowie zur Mobilisierung für regionale und bundesweite Nazi-Aufmärsche. Aktuell setzt sich das „Freie Netz“ aus neun Nazigruppen zusammen: Nordsachsen, Leipzig, Chemnitz, Jena, Zwickau, Saalfeld, Altenburg, Erzgebirge und Leipziger Land, die sich erneut in regionale Unterseiten aufteilt, so Borna-Geithain. Auf der Startseite des „Freien Netz“ sind zudem Partnerseiten – „Freies Netz Süddeutschland“, „Volksfrontmedien“ sowie das „Infoportal Burg“ – zu finden, zudem wird auf regionale Nazi-Versände – dem „Nordsachsen-Versand“ sowie „PC-Records“ – verlinkt.

Auf der Plattform werden Gruppierungen Webblogs bereitgestellt, die sie selbst ausfüllen und gestalten. Dies führt einerseits zur Aufwertung von kleiner Gruppen und andererseits zur Identifikation mit dem Label „Freies Netz“. Ebenso trägt es zur Vernetzung der Neonazi-Szene in und um Sachsen bei.

Seit 2007 organisiert das so genannte „Aktionsbündnis gegen das Vergessen“ („AgdV“) am Abend des 13. Februars einen Fackelmarsch, um der deutschen Bombenopfer „authentisch“ und „in Würde“ zu gedenken. Die Teilnehmenden kommen dabei hauptsächlich aus dem Spektrum der „Freien Kräfte“. Neben der geschichtsrevisionistischen Demonstration findet eine „Aktionswoche zum 13. Februar“ statt, zu der das „AgdV“ zu Propagandaaktionen wie -veranstaltungen aufruft.

In die Organisation des Fackelmarschs sowie die Durchführung von „Infoveranstaltungen“ im Vorfeld sind neben Maik Müller der Radeberger NPD-Stadtrat Simon Richter sowie der mehrfach vorbestrafte Gewalttäter Ronny Thomas (bis 1998 NPD-Kreisvorsitzender Dresdens) maszgeblich beteiligt.

Die „Jungen Nationaldemokraten Sachsen“ („JN Sachsen“) sind der Jugendverband der NPD. In Sachsen gründete sich im November 1998 in Dresden ein JN-Landesverband, der sich bereits im Juni 1999 selbst wieder auflöste. Seit 2004 gab es Bestrebung, abermals JN-Strukturen in Sachsen aufzubauen. Daraufhin kam es im Mai 2005 zur erneuten Gründung der „JN Sachsen“ und seit 2008 zur Schaffung und scheinbaren Etablierung mehrere „JN-Stützpunkte“, so in Leipzig, Chemnitz, Riesa und Kamenz.

Aktuell besteht die „JN Sachsen“ aus ungefähr 50 Mitgliedern und fungiert als Bindeglied zwischen der NPD sowie parteiunabhängigen Neonazis aus dem Umfeld der so genannten „Freien Kräfte“. Sachsenweit bestehen derzeit sechs Stützpunkte, allein drei im Raum Leipzig: „JN Leipzig“, „JN Nordsachsen“ sowie die „JN Muldental“. Seit November 2008 ist der Leipziger Tommy Naumann Landesvorsitzender der „JN Sachsen“. Naumann ist gleichzeitig Stützpunktleiter der „JN Leipzig“, die wiederum als lokaler Ableger des „Freien Netz“ angesehen werden kann. Als Stellvertreter fungiert Mathias König, Stützpunktleiter der „JN Muldental“.

Die letzten zwei Jahre versuchte die „JN Sachsen“ in Leipzig Demonstrationen unter dem Motto „Recht auf Zukunft“, die beide von Naumann angemeldet waren, durchzuführen, scheiterten aber beide Male. Weiterhin beteiligten sich Vertreter/innen sowie Personen aus dem Umfeld der „JN Sachsen“ an mehreren kleinen Demonstrationen, zudem stellen sie zum Aufmarsch in Dresden im Februar öfters eine gröszere Anzahl an Ordner/innen. Neben Demonstrationen und Kundegebungen führt die „JN Sachsen“ mehrere sportliche und kulturelle „Events“ durch, wodurch einerseits junge Neonazis an die Organisation gebunden werden und so Zugang zu neonazistischen Strukturen erhalten, andererseits wirken die „Angebote“ auch identitätsstiftend.

Der „Ring Nationaler Frauen“ („RNF“) ist eine im September 2006 geschaffene Unterorganisation der NPD, die für „nationale Frauen“ eintritt, die sich selbst als „antifeministisch“ ansehen. Initiiert wurde der Ring von der sächsischen NPD-Landtagsabgeordnete Gitta Schüszler, von Katharina Becker (NPD Niedersachsen) sowie Judith Rothe (NPD Sachsen-Anhalt). Durch den „RNF“ sollten Frauen stärker in die politische Arbeit einbezogen werden. In ihrer Selbstdarstellung gibt die „RNF“ an, regelmäszigen Treffen durchzuführen, bei denen „die inhaltliche Bearbeitung von Themen, Erstellung von Flugblättern oder politischen Schriften eine Rolle spielt“. Zudem organisieren sie „Aktionen, gemeinsame Unternehmungen und die Teilnahme an Veranstaltungen“.

Die Anzahl der Mitglieder ist nicht bekannt. Im März 2011 fand in Chemnitz der dritte jährliche Landeskongress der „RNF Sachsen“ statt, in deren „Mittelpunkt (…) die Wahl eines neuen Vorstandes“ stand. Neben der Wahl erfolgte „eine sachliche und kameradschaftliche Aussprache über einige (nicht näher erwähnte) Vorkommnisse im vergangenen Jahr.“ Der aktuelle Landesvorstand der „RNF Sachsen“ besteht aus der wiedergewählten Landesvorsitzenden Katrin Köhler (Chemnitz, NPD-Stadträtin in Chemnitz), ihren Stellvertreterinnen Jasmin Apfel (Riesa) und Ines Schreiber (Strehla) sowie den Beisitzerinnen Beatrix Wolf (Plauen, Kreisvorsitzender der NPD Vogtland) und Beatrice Rott (Chemnitz). Das Amt der Landesschatzmeisterin übernahm Gitta Schüszler.

Die „Ersthelfer“ sind die Nachfolgeorganisation des neonazistischen „Braunen Kreuzes“, denen der Name sowie die Nutzung des Symbols – einem braunen Kreuz – nach einer Klage des Roten Kreuzes verboten wurde. Daraufhin gründeten sie sich im Juli 2007 und machen es sich laut eigenen Angaben zur Aufgabe, „dort zu helfen wo extreme Umstände herrschen, wenn der Begriff Unversehrtheit nur noch wie ein altes Märchen klingt“. Bei neonazistischen Demonstrationen, Konzerten und anderen Veranstaltungen stellen sie eine Art Sanitätsdienst, der seine Arbeit dort beginnt, „wo der Rettungsdienst aufgrund von Selbstschutz stehen bleibt“.

Sie sehen sich selbst als „Organisations- und Partei unabhängige Gruppe“, deren Grundgedanke „Kameraden helfen Kameraden“ ist. Demnach ist ihr Grundgedanke kein humanistischer, sondern vielmehr steht die Selbstinszenierung und der eigene heroische Einsatz im Vordergrund, in dem es für die „Ersthelfer hinaus zum Einsatz (heiszt), (…) wenn Menschen wieder ohne Rücksicht auf ihren Ruf oder Ihre Unversehrtheit, im Steine und Flaschenhagel, auf die Straße ziehen“.

Die „JN Muldental“ führte nach eigenen Angaben Anfang Juni eine Veranstaltung zum Thema „Erste Hilfe“ durch, die ich vom Konzept und Möglichkeit des Einsatzes an den „Ersthelfern“ orientierte. Die anwesenden Neonazis bekundeten ihr Interesse, sich in „dieser Thematik in regelmäßigen Abständen (zu) widmen“.

„Free Gender“ ist eine von der Initiative „Raus aus den Köpfen – Genderterror abschaffen“ ins Leben gerufene neonazistische Kampagne. In ihrer Selbstdarstellung geben sie an, eine „breite Öffentlichkeit über die Thematik Gender Mainstreaming zu informieren und sie über die Folgen dieser Strategie, die sich zur Ideologie entwickelt hat, aufzuklären, um im besten Falle Widerstand dagegen zu leisten!“. Die „Ideologie“ gegen die sie „Widerstand leisten“ wollen rüttelt ihrer Einschätzung nach „rigoros (…) an der naturgegebenen Zweigeschlechtlichkeit (…) und mit diffusen Argumenten (wird) versucht, künstlich eine Kluft zwischen Männern und Frauen zu erzeugen“.

Die Kampagne spricht sich damit nicht nur gegen das Konzept des Gender Mainstreaming, das tatsächlich auf die Gleichstellung der Geschlechter abzielt und daher breit und kontrovers diskutiert wird, sondern sie gehen von der Norm der „naturgegebenen Zweigeschlechtlichkeit“ aus, was aus – nicht nur – neonazistischer Sicht dazu führt, Menschen, die sich nicht der Norm entsprechend verhalten, zu diskriminieren, auszugrenzen, schlimmstenfalls sogar zu töten. In einem neonazistischen Weltbild – also auch dem der Kampagne „Free Gender“ – gibt es kein Platz für sexuelle Selbstbestimmung, für Feminismus, Antisexismus sowie Homosexualität, Transsexualität und Intersexualität.

Im April 2011 fand in Geithain eine Veranstaltung der Kampagne „Free Gender“ statt, die im Kontext der so genannten „Volkstod“-Kampagne der regionalen Nazi-Szene durchgeführt wurde. Als Kontaktperson wird Mareike Bielefeld angegeben, die Adresse ist identisch mit der des so genannten „Braunen Hauses“ in Jena.

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2 Antworten auf „Geithain, Nazis und der „Tag der Identität““


  1. 1 “Kein Raum für Nazis – nicht Geithain und nirgendwo” « Falken Sachsen Pingback am 23. Juli 2011 um 4:20 Uhr
  2. 2 “Kein Raum für Nazis – nicht Geithain und nirgendwo” « Falken Sachsen Pingback am 23. Juli 2011 um 4:22 Uhr
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