Pressemitteilung des Bündnis Geithain nazifrei zu den Aktionen gegen den neonazistischen „Tag der Identität“ am 13.8.2011

Um Protest gegen die für den 13.8.2011 in Geithain angekündigten Naziveranstaltung unter dem Motto „Tag der Identität“ zu organisieren, gründete sich im Juli das Bündnis Geithain nazifrei. Die Initiative für ein weltoffenes Geithain wurde in diesem Bündnis von Initiativen, Vereinen und Einzelpersonen aus dem Landkreis Leipzig unterstützt.

Rund 200 Menschen nahmen am 13.8.2011 an den Protesten gegen den neonazistischen „Tag der Identität“ in Geithain teil und demonstrierten am Vormittag durch die Stadt. Am Markt, Höhe Badergasse, fand die erste Zwischenkundgebung – in Hör- und Sichtweite zur langsam beginnenden Veranstaltung der Nazis am Stadion – statt. Weiter ging es zum Bürgerhaus, wo der “Tag der Identität”, bestätigt durch ein Urteil des Oberverwaltungsgerichtes, nicht stattfinden durfte. Im Stadtpark schloss sich nach der Demonstration eine Abschlußkundgebung mit Musik, Redebeiträgen,Workshop und Infoständen an. Gleichzeitig waren bei der Veranstaltung der Neonazis nicht über 150 Personen anwesend.

Die Abschlussveranstaltung des Bündnis Geithain nazifrei wurde zum Ende hin von einem gewaltsamen Zwischenfall überschattet. Sieben Nazis begaben sich gegen 18 Uhr in den Stadtpark. Dort trafen sie auf zwei auf einer Bank sitzende Teilnehmer der Protestveranstaltung. Die Nazis beschimpften und bespuckten die beiden Antifaschisten und griffen sie tätlich an. Während einer der beiden entkommen und die Polizei verständigen konnte, wurde der andere getreten und mit Fäusten und einem Stock geschlagen. Es kam glücklicherweise nicht zu schlimmen Verletzungen. Fünf der angreifenden Nazis wurden von der Polizei aufgegriffen und in Gewahrsam genommen. Die beiden Betroffenen haben Anzeige erstattet.

Das Bündnis Geithain nazifrei verurteilt den Naziübergriff aufs Schärfste und zeigt sich verwundert, dass die Polizei die Veranstaltung im Stadtpark nicht adäquat schützen konnte.

Trotzdem bewertet das Bündnis die Aktion, die unter dem Motto „Kein Raum für Nazis – nicht in Geithain und nirgendwo“ stand, als erfolgreich und dankt allen, die sich daran beteiligt haben. Ohne das Engagement von VertreterInnen der Kirche, des DGB , Bündnis 90/ Die Grünen, SPD, LINKE, von BürgerInnen der Stadt Geithain, der Opferberatung des RAA Sachsen e.V., des Flexiblen Jugendmanagements des Kinder- und Jugendrings im Landkreis Leipzig, des Netzwerk Naunhof, Bon Courage e.V., der Antifa RGB und vielen anderen wäre eine Veranstaltung wie am 13.8. nicht möglich gewesen.
Es ist aus Sicht des Bündnisses wichtig neonazistische Gewalt und Propaganda nicht schweigend zu dulden, sondern aktiv und friedlich für Demokratie und Menschenwürde zu streiten.
Nicht zuletzt hofft das Bündnis Geithain nazifrei, dass der gute Verlauf der Aktion am 13.8. auch die Bürgermeisterin überzeugt hat und dazu führt, dass diese sich in Zukunft aufgeschlossen für Kommunikation und Kooperation zeigt. Dies war am 13.8.2011 nicht der Fall. So beschwor Frau Bauer im Vorfeld von Demonstration und Kundgebung des Bündnisses, dass es zu Gewalt von „Linksextremisten“ kommen würde. Der 13.8. hat allerdings wiederholt gezeigt, dass das Problem neonazistische Einstellungen und Gewalt sind. Das Bündnis bedauert, dass es an diesem Tag nicht zu Gesprächen zwischen Stadtverwaltung und den Engagierten gekommen ist. Die Möglichkeit Vorbehalte abzubauen ist damit verloren gegangen.

Auch nach dem 13.8.2011 gilt es engagiert und konsequent gegen menschenverachtenden, antidemokratische Ideologien vorzugehen – dies hat sich in Geithain vor allem die Initiative für ein weltoffenes Geithain auf die Fahne geschrieben und lädt alle Bürgerinnen und Bürger ein sich daran zu beteiligen, im Zeichen der Menschlichkeit für den Schutz der Menschenwürde zu engagieren.

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